Archiv | April, 2012

Anti-antideutsches Marburg?

23 Apr

Letzten Freitag war der Antifaschistische Frauenblock Leipzig (AFBL) im Havanna8. Die Marburger antisexistische Gruppe Lisa2 hatte die Feministinnen aus Sachsen eingeladen, damit diese über Mackertum innerhalb der bundesdeutschen radikalen Linken sprechen.

Am Ende ging es dann aber doch hauptsächlich um eine Manifestation Marburger Mackertums: Die Blockade der Thomas-Maul-Veranstaltung. An dieser wurde aber nicht die überzogene Demonstration von Macht und Gewalt (also Mackertum) verurteilt. Stattdessen bot die Einladung des AFBL, der sich selbst als antideutsch versteht, eine Chance der Apologie. Es wurde sich vergewissert, dass die Marburger Linke auch heute noch mit den Leuten um Maul nicht reden braucht, so wie mit Nazis nicht geredet werden muss und die diskursiven Kämpfe gewonnen wurden (beides Wortbeiträge). Dass die Referentinnen aus den neuen Bundesländern selbst keine Maul-Veranstaltung blockieren würden, wurde nicht registriert. Dabei hat gerade der AFBL eine der lesenswertesten Meinungen zum Umgang mit antideutscher Islamkritik geschrieben, die sich so überhaupt nicht mit der Marburger Ansicht deckt.

Und freundlicherweise hat den Genossinnen vom AFBL niemand gesteckt, dass „antideutsch“ in Marburg ein Schimpfwort ist. Das wäre ja sonst eine interessante Diskussion gewesen.

Dass die Antideutschen gehasst werden, andererseits die „guten“ von ihnen kommentarlos eingeladen werden, ist ein Marburger Umstand der verwundert. Mehr als Selbstbestätigung ist nicht drin.

Genauso wurde mit Daniel Kulla verfahren, als er Anfang des Jahres vom Havanna8-Kollektiv eingeladen wurde, um über „Leben im Rausch“ zu sprechen. Auf seinem Blog finden sich aufschlussreiche Texte, wie z.B.: „Wie ich bei den Antideutschen landete“ oder seine solidarische Kritik an der Bahamas. Solche Texte sollten Anti-Antideutsche vielleicht mal lesen, oder wenigstens eingeladene Referent_innen mit ihrer unqualifizierten „Kritik“ am Antideutschen konfrontieren. Das würde allen Beteiligten die Augen ein wenig öffnen.