Archiv | Juni, 2012

Wo ist der Kommunismus?

7 Jun

Heute startete der neue Lesekreis der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.: David Graebers Buch „Schulden“.
Nun könnte es uns erstmal gänzlich gleichgültig sein, wenn Graebers Buch gelesen wird. Können ja alle lesen was sie wollen! Aber wenn die Mitglieder einer politische Gruppe ihre knapp bemessene Zeit und Energie darauf verwenden ein bestimmtes Buch zu lesen, zumal sie dies auch noch öffentlich tun, darf gefragt werden, warum ausgerechnet dieses. An dieser Frage ist auch erstmal gar nichts Schlimmes, denn es könnte ja gute Gründe für die Lektüre geben.

Verwirrend kommt hinzu, dass sie ankündigen sowohl seine Kapitalismuskritik zu prüfen, ob sich daraus eine Praxis ableiten lasse und im gleichen Atemzug sein Buch als die „rebellische Theorie“ zur „erfolgreichen Praxis“ darstellen. Dass die Frage des „ob“ bereits vorweggenommen wurde, ist offensichtlich. Zurecht, welche Agitation würde denn auch riskieren die Frage mit „Nein“ zu beantworten. Das kann schließlich auch ein Individuum im stillen Kämmerchen tun.

Der Schreiberling hinter dem Blog „Marburger Bestände“ unterstellt den Dissidenten etwas, ohne uns zu erzählen, was denn nun eigentlich, und verurteilt Graebers Buch, ohne es gelesen zu haben. So einfach wollen wir es uns als kritisches Kollektiv nicht machen.

Doch bevor wir uns dem Text widmen, sei auch hier die Antwort vorweggenommen. Statt einem plumpen „YEAH“ oder einem plumpen „SCHEISSE“, lassen wir einen Widerspruch sprechen:

Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. & friends:

Die FAZ über David Graeber bei Maybritt Illner:

Seine Antwort auf Frau Illners Frage: „Kommunismus oder Naturalwirtschaft?“ war nämlich Demokratie.

Ist David Graebers Buch also tatsächlich die richtige Theorie zur Praxis, so erfolgreich oder gescheitert sie auch sein mag? Oder ist Graeber vielleicht doch nicht das richtige Buch? Oder ist es unpassend auf einer Occupy-Demo „Kommunismus“ zu rufen? Ist die Occupy-Bewegung „rebellisch“ oder „revolutionär“? Ist es vielleicht kein Zufall, wenn Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. in ihrer Ankündigung eben von „rebellischer“ Theorie sprechen, obwohl Kommunismus etwas ganz anderes ist?
Vielleicht muss die Frage „ob“ sich aus Graebers Buch eine Praxis ableiten lasse, am Ende doch verneint werden. Dann hätte die Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. am Ende sehr viel Mut bewiesen und Vernunft. Aber auch für Desorientierung gesorgt und das will sie für gewöhnlich nicht. Hat der Bestände-Blogger am Ende doch recht? Oder gar die Marburger Zustände, die sagen: alle(s) doof.

Was wir zum Text zusagen haben, wird noch kommen. Aber schon jetzt fragen wir: Wo ist der Kommunismus, wo ist er geblieben?