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Wo ist der Kommunismus?

7 Jun

Heute startete der neue Lesekreis der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.: David Graebers Buch „Schulden“.
Nun könnte es uns erstmal gänzlich gleichgültig sein, wenn Graebers Buch gelesen wird. Können ja alle lesen was sie wollen! Aber wenn die Mitglieder einer politische Gruppe ihre knapp bemessene Zeit und Energie darauf verwenden ein bestimmtes Buch zu lesen, zumal sie dies auch noch öffentlich tun, darf gefragt werden, warum ausgerechnet dieses. An dieser Frage ist auch erstmal gar nichts Schlimmes, denn es könnte ja gute Gründe für die Lektüre geben.

Verwirrend kommt hinzu, dass sie ankündigen sowohl seine Kapitalismuskritik zu prüfen, ob sich daraus eine Praxis ableiten lasse und im gleichen Atemzug sein Buch als die „rebellische Theorie“ zur „erfolgreichen Praxis“ darstellen. Dass die Frage des „ob“ bereits vorweggenommen wurde, ist offensichtlich. Zurecht, welche Agitation würde denn auch riskieren die Frage mit „Nein“ zu beantworten. Das kann schließlich auch ein Individuum im stillen Kämmerchen tun.

Der Schreiberling hinter dem Blog „Marburger Bestände“ unterstellt den Dissidenten etwas, ohne uns zu erzählen, was denn nun eigentlich, und verurteilt Graebers Buch, ohne es gelesen zu haben. So einfach wollen wir es uns als kritisches Kollektiv nicht machen.

Doch bevor wir uns dem Text widmen, sei auch hier die Antwort vorweggenommen. Statt einem plumpen „YEAH“ oder einem plumpen „SCHEISSE“, lassen wir einen Widerspruch sprechen:

Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. & friends:

Die FAZ über David Graeber bei Maybritt Illner:

Seine Antwort auf Frau Illners Frage: „Kommunismus oder Naturalwirtschaft?“ war nämlich Demokratie.

Ist David Graebers Buch also tatsächlich die richtige Theorie zur Praxis, so erfolgreich oder gescheitert sie auch sein mag? Oder ist Graeber vielleicht doch nicht das richtige Buch? Oder ist es unpassend auf einer Occupy-Demo „Kommunismus“ zu rufen? Ist die Occupy-Bewegung „rebellisch“ oder „revolutionär“? Ist es vielleicht kein Zufall, wenn Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. in ihrer Ankündigung eben von „rebellischer“ Theorie sprechen, obwohl Kommunismus etwas ganz anderes ist?
Vielleicht muss die Frage „ob“ sich aus Graebers Buch eine Praxis ableiten lasse, am Ende doch verneint werden. Dann hätte die Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. am Ende sehr viel Mut bewiesen und Vernunft. Aber auch für Desorientierung gesorgt und das will sie für gewöhnlich nicht. Hat der Bestände-Blogger am Ende doch recht? Oder gar die Marburger Zustände, die sagen: alle(s) doof.

Was wir zum Text zusagen haben, wird noch kommen. Aber schon jetzt fragen wir: Wo ist der Kommunismus, wo ist er geblieben?

Anti-antideutsches Marburg?

23 Apr

Letzten Freitag war der Antifaschistische Frauenblock Leipzig (AFBL) im Havanna8. Die Marburger antisexistische Gruppe Lisa2 hatte die Feministinnen aus Sachsen eingeladen, damit diese über Mackertum innerhalb der bundesdeutschen radikalen Linken sprechen.

Am Ende ging es dann aber doch hauptsächlich um eine Manifestation Marburger Mackertums: Die Blockade der Thomas-Maul-Veranstaltung. An dieser wurde aber nicht die überzogene Demonstration von Macht und Gewalt (also Mackertum) verurteilt. Stattdessen bot die Einladung des AFBL, der sich selbst als antideutsch versteht, eine Chance der Apologie. Es wurde sich vergewissert, dass die Marburger Linke auch heute noch mit den Leuten um Maul nicht reden braucht, so wie mit Nazis nicht geredet werden muss und die diskursiven Kämpfe gewonnen wurden (beides Wortbeiträge). Dass die Referentinnen aus den neuen Bundesländern selbst keine Maul-Veranstaltung blockieren würden, wurde nicht registriert. Dabei hat gerade der AFBL eine der lesenswertesten Meinungen zum Umgang mit antideutscher Islamkritik geschrieben, die sich so überhaupt nicht mit der Marburger Ansicht deckt.

Und freundlicherweise hat den Genossinnen vom AFBL niemand gesteckt, dass „antideutsch“ in Marburg ein Schimpfwort ist. Das wäre ja sonst eine interessante Diskussion gewesen.

Dass die Antideutschen gehasst werden, andererseits die „guten“ von ihnen kommentarlos eingeladen werden, ist ein Marburger Umstand der verwundert. Mehr als Selbstbestätigung ist nicht drin.

Genauso wurde mit Daniel Kulla verfahren, als er Anfang des Jahres vom Havanna8-Kollektiv eingeladen wurde, um über „Leben im Rausch“ zu sprechen. Auf seinem Blog finden sich aufschlussreiche Texte, wie z.B.: „Wie ich bei den Antideutschen landete“ oder seine solidarische Kritik an der Bahamas. Solche Texte sollten Anti-Antideutsche vielleicht mal lesen, oder wenigstens eingeladene Referent_innen mit ihrer unqualifizierten „Kritik“ am Antideutschen konfrontieren. Das würde allen Beteiligten die Augen ein wenig öffnen.